Muscat-Mixology: Wenn ein Süßwein in den Cocktail kommt

Mixologe Sebastien Rouviere im Muscat Workshop der Domaine Beaumalric.

Mixologe Sebastien Rouviere im Muscat Workshop der Domaine Beaumalric.

Die Appellation Muscat de Beaumes-de-Venise an der südlichen Rhône hat ein Problem: Noch Mitte der 1990er waren die weißen und roséfarbenen Süßweine aus den Rebsorten Muscat Blanc und Muscat Rouge populär und machten eine treue Gefolgschaft glücklich. In den vergangenen 25 Jahren änderte sich aber die Geschmackslaune der Weintrinker und der Muscat der Region bekam den Stempel „zu süß“ und „zu alkoholisch“ aufgedrückt. Nun machen ein Winzer und ein Barkeeper aus dieser Schwäche eine Stärke.

In Zeiten da Frische und Eleganz ganz oben in der Konsumentengunst liegen und hohe Prozentzahlen gescheut werden, verwundert es wenig, wenn Weine mit mindestens 110g/l Restzucker und 15 Prozent Alkohol Akzeptanzprobleme bekommen. Diese Kennziffern schreiben nämlich die Regularien der Appellation vor – eine angeordnete Misere also? Selbstverständlich sind die Muscat de Beaumes-de-Venise Weine per se keine schlechten, doch Süßweine – und nicht nur die von der Côtes-du-Rhône – finden immer seltener den Weg zum Weintrinker. In der Folge haben die Weinmacher der Appellation den Keller mit Flaschen voll, aber die Kasse leer.

Für die Winzer in Beaumes-de-Venise und um Beaumes-de-Venise herum ist dies ein echtes Dilemma. Die wenigen verbliebenen Muscat-Liebhaber reichen nicht aus, um die produzierten Weine unters Volk zu bringen. Zwar haben einige Produzenten bereits darauf reagiert und ersetzen den Muscat durch andere Rebsorten, doch ist dies ein langwieriger Prozess: Nur maximal fünf Hektar Rebfläche pro Jahr dürfen die Weinmacher austauschen. Mal davon abgesehen, dass die Neupflanzungen frühestens nach drei, vier Jahren wieder Weine mit einer vernünftigen Qualität hervorbringen.

Trend & Twist

Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch: So begegnen besonders findige Winzer dem Problem einer „aussterbenden“ Zielgruppe mit einer 180-Grad-Drehung und sprechen gezielt den trinkenden Nachwuchs an, indem sie dem Muscat einen anderen Twist geben.

So zum Beispiel die Domaine de Beaumalric. Sie richtet in ihrer Weinboutique in dem der Appellation namensgebenden Örtchen Beaumes-de-Venise sogenannte „Mixology-Wokshops“ an. Mixolo-was? Tatsächlich, um dem Wein eine neue Bestimmung zu geben, setzen die Winzer auf einen Barkeeper und sein erleuchtendes Handwerk des Mischens. Am Ende dieser Zusammenarbeit steht also ein Cocktail auf dem Tisch und kein Muscat mehr.

Für den Drink finden nicht wahllos irgendwelche alkoholhaltigen Getränke in den Wein, vielmehr besteht der Anspruch, eine eigene Cocktail-Kreation zu entwickeln, um die Muscat-Weine neu und anders zur schmeckenden Geltung zu bringen. Dieses Experiment ist auch eine Gelegenheit, mal gewollt vom rechten Weg purer Weinliebhaberei abzuweichen. Auf Beaumalric engagierten sie für diese Versuchung kurzerhand den Bartender Sebastien Rouviere, der selbst aus der Region stammt, sich aber seine Meriten in ganz Europa verdient hat – zuletzt in der „Barrio Latino“ in Paris.

Muscat an die Bar

Zunächst entwickelte Rouviere zwei Cocktails, die den weißen („B Kawai“) und den roséfarbenen Muscat („Pink Devil“) von Beaumalric zur Hauptzutat küren und mal mit klassischen, mal überraschenden Ingredienzen kombinieren. Der erfahrene Bartender war von den Ergebnissen positiv überrascht und outete sich alsbald als Muscat-Fan.

Um möglichst viele Menschen vom Muscat als idealer Zutat für ein Mixgetränk zu überzeugen, veranstaltet die Domaine de Beaumalric nun regelmäßig Mixology-Workshops, in denen Sebastien Rouviere nicht nur die Cocktails kredenzt, sondern sie gemeinsam mit den Besuchern mixt – natürlich streng den von ihm entwickelten Rezepten folgend.

Und dieser Ansatz kommt bei den Gästen extrem gut an. Nicht nur lernen sie ein paar Grundregeln des Barkeepings, sie bekommen auch sensorisch erklärt, warum sich Muscat so gut für Mixgetränke eignet. Nehmen wir zum Beispiel den roséfarbenen Muscat de Beaumes-de-Venise von Beaumalric. Der daraus kreierte „Pink Devil“ nimmt gekonnt die im Wein enthaltene Aromatik auf und befördert sie noch auf eine weitere, intensivere Stufe. Dies gelingt insbesondere durch die feinfühlige Verwendung von Rosenwasser und frischem Ingwer.

Aber auch der „B Kawai“ portraitiert den weißen Muscat hervorragend. Die Nashi-Birne sorgt für eine gute Frische und der Kardamom unterstützt die Muskat-Note des Weines. Der Drink bekommt durch einen Schuss weißen Rum und die Limetten aber eine deutliche, karibische Note. Und eben diese Geschmacks(ver)wandlung kann schon überraschen.

Gemischte Sympathiewerte

Alles in allem ein gelungenes Projekt. Nicht nur beweist es hipen Bargängern, dass man Muscat eben nicht nur als Aperitif oder Dessert-Begleitung trinken kann. Der Workshop-Charakter hat klaren Unterhaltungswert, vermittelt auf pragmatische Weise neue Sympathie für die Muscat-Weine und ist eine schöne Übung, seine eigene Kreativität beim Mixen einzubringen.

Wer also demnächst (urlaubsbedingt) in der an der südlichen Rhône weilen sollte, schaut vorher am besten auf die Facebok-Seite der Domaine de Beaumalric, dort sind die aktuellen Termine der Workshops zu finden.


Wer alles parat hat, kann sich natürlich auch vorab schon an die Muscat-Mixology machen. Hier zwei Rezepte für den Selbstversuch.

"B Kawai"

8 cl Muscat de Beaumes-de-Venise Blanc, Domaine de Beaumalric
2 cl weißer Rum
1/2 Nashi-Birne, zerstoßen
4 Kardamom-Samen
Saft von einer halben Limette
1 Scheibe Nashi-Birne als Dekoration

"Pink Devil"

8 cl Muscat de Beaumes-de-Venise Rosé, Domaine de Beaumalric
2 cl Gin
1 cl Rosenwasser
1 cm frischen Ingwer, zerstoßen
2 cl Eiweiß
5 Tropfen Absinth-Essenz
1 Sternanis und eine 1/2 Tonka-Bohne als Dekoration

(aeg/tt)

Mixologe Sebastien Rouviere im Muscat Workshop der Domaine Beaumalric.

Mixologe Sebastien Rouviere im Muscat Workshop der Domaine Beaumalric.