Der Weinlakai oder ein Gespräch mit einem, der auszieht im Dienste des guten Geschmacks

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Bereits seit 2008 empfiehlt Tobias Treppenhauer als Weinlakai Weine mit besonderem Genuss-Preis-Verhältnis

Dienstreise #1 führt den Weinlakai an die südliche Rhône

Neuerdings erklärt uns ein Lebensmittel-Discounter, was guter Wein ist. Ungläubig haben wir einen Experten konsultiert. Ein richtig gutes Gespräch mit dem "Weinlakai" Tobias Treppenhauer.

Herr Treppenhauer, dürfen wir Weinlakai sagen?

Treppenhauer: Gerne auch einfach nur „Lakai“. Ich bin da ganz unkompliziert.

Der Lebensmittel-Discounter Lidl formuliert in einem Werbespot, guten Wein erkenne man an gutem Wein. Klingt rhetorisch geschickt, hilft aber wenig bei der Entscheidung vor dem Weinregal. Woran erkennt der Weinlakai guten Wein?

Treppenhauer: An gutem Wein! Nein, Spaß beiseite. Egal woher ein Wein kommt und welche Trauben zum Einsatz kommen, ein guter Wein sollte für mich immer die eingesetzten Rebsorten und seine Herkunft möglichst unverfälscht vermitteln. Wenn beispielsweise zu viel neues Holz diese Charakterzüge überdeckt, finde ich das jammerschade. Zudem muss sich der Wein in möglichst guter Balance befinden.

Für mich ist ein Wein dann perfekt, wenn das Gleichgewicht zwischen Süße, Säure, Frucht, Alkohol und Tanninen komplett ausgewogen ist, sich also keines der genannten Attribute in den Vordergrund spielt. Diese Balance oder Eleganz in Perfektion anzutreffen, ist allerdings sehr selten. Andere würden dann wahrscheinlich etwas von 100 Punkten erzählen.

Das Schmecken geht also vor. Ein hoher Preis und klangvolles Etikett sind keine Qualitätskriterien, richtig verstanden? Wie schmecken Sie denn den Wein, wie ist eine Verkostung aufgebaut?

Treppenhauer: Yep, korrekt. Eine ideale Verkostungssituation sind die Flasche und ich, über zwei Tage. Manchmal sind es aber auch mehrere Weine, die ich über ein paar Tage schmeckend beobachte. Nur so kann ich mir ein abschließendes Urteil erlauben. Sauerstoff macht sehr viel mit dem Wein, egal ob man ihn als besonders jung einschätzt oder nicht.

Zudem ist es ein großer Unterschied, ob man einen Wein „solo“ oder mit Essen verkostet. Für Massenveranstaltungen, bei denen auf einen Schlag dutzende von Weinen probiert werden, halte ich mich für völlig untauglich. Spätestens nach dem zehnten Wein schmecke ich nur noch „Blah“.

Die Beschreibung des Geschmacks eines Weines lebt von Vergleichen. Gerne werden gelbe oder rote Früchte genannt. Manches Mal aber auch Gewürze, Kräuter oder Schokolade. Welche Rolle spielen für Sie solche Geschmacks-Assoziationen?

Treppenhauer: Ich bin mir bewusst, dass solche Assoziationen häufig abgehoben und snobistisch wirken, aber mir helfen Sie dabei, über einen Wein sprechen zu können. Und teilweise finde ich es frappierend, wie sehr ein Weinaroma eine andere Frucht replizieren kann. Kirschen, Nelken, Veilchen, Ananas, nur um ein paar Beispiele zu nennen, habe ich schon täuschend echt in einem Wein entdeckt. Solche Erfahrungen machen Spaß.

Hinzu kommen natürlich auch Aromen, die der Wein schlichtweg durch die Nachbarschaft auf dem Boden der Rebstöcke mitbekommen hat. Man denke an die Garrigue-Aromen der Provence oder aber die Eukalyptus-Töne in australischen Shiraz.

Und wie wählen Sie die Weine aus, die Sie verkosten? Die Vielfalt ist groß und die Einflüsterungen des Handels sind nicht gering. Wie bewahrt ein Weinlakai Übersicht und Objektivität?

Treppenhauer: Da kommen wir nochmal auf das Thema „Entscheidung vor dem Weinregal“ zurück. Die enorme Angebotsvielfalt und die damit einhergehende Orientierungslosigkeit, waren für mich selbst immer ein großes Problem. Insbesondere da ich Fachhändlern immer unterstellt habe, mir nur Weine ans Herz zu legen, die ihnen auch einen wirtschaftlichen Vorteil bringen. Stichwort: besonders gute Gewinnspannen. Und das Angebot eines Supermarkts war sowieso ein rotes Tuch.

Insbesondere bei letzterem hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, doch bildete diese Wahrnehmung quasi den Startpunkt des Weinlakai-Konzepts auf der Webseite des „STERN“ und auch später beim „WeinWisser“: Durch intensive Recherche in der internationalen Weinpresse versuche ich zunächst meine Suche etwas zu fokussieren. Dabei stellen US-Publikationen einen gewissen Schwerpunkt dar. Schlichtweg, weil ich mit „Wine Advocate“, „Spectator“, aber auch Steve Tanzer meine ersten Schritte in Sachen Weinschreiberei gemacht habe.

Anschließend mache ich den „Selbstversuch“ mit den vermeintlich besten Weintipps. Die Herkunft oder die Rebsorten spielen dabei überhaupt keine Rolle. Wenn ein Wein für mich ein spannendes Gesamtpaket offeriert, stelle ich ihn meinen Lesern vor. Immer mit dem Ziel, eine möglichst große Bandbreite von Weinen präsentieren zu können. Denn nur so biete ich meinen Lesern die Möglichkeit, ihren eigenen Geschmack besser kennenzulernen.

Objektiv kann ich bei alldem natürlich irgendwann nicht mehr sein. Denn spätestens, wenn ich den Wein probiere, entscheidet meine persönliche Wahrnehmung.

Über teure Weine wird selten schlecht gesprochen. Eine andere Aufgabe ist es, aus dem preisgünstigen Segment wirklich gute Weine heraus zu kristallisieren. Wie entscheidend ist bei Ihrer Bewertung der Preis des Weines?

Treppenhauer: Der Preis spielt keine zu tragende Rolle, wobei die empfohlenen Weine selten mehr als 20 Euro kosten. Einfach aufgrund der Tatsache, dass der Weinlakai von vielen „Wein-Anfängern“ gelesen wird, und ich für diese Menschen erst einmal einen etwas günstigeren Einstieg in die Materie suche.

Und Fakt ist natürlich: Auch ich habe einen Schnäppchenjäger in mir! Mir machen gute Weine noch mehr Spaß, sobald ich weiß, dass ich für den bezahlten Preis einen unverschämt guten Gegenwert erhalte. Das passiert mir allerdings auch mit Weinen, für die ich über 100 Euro bezahlt habe.

Der Weinlakai will auf Entdeckungsreise gehen und verspricht uns neue "gute" Weine, die er aber selbst noch nicht kennt? Verraten Sie uns mehr?

Treppenhauer: Ja, ich möchte demnächst interessante Weinregionen besuchen, viele, viele Weine verkosten und die sechs spannendsten Entdeckungen meinen Lesern mit nach Hause bringen. Ich bin nun seit über sieben Jahren auf der Suche nach guten Tropfen, war aber noch viel zu wenig persönlich vor Ort auf der Suche. Das Weinangebot in Deutschland steht in Abhängigkeit zu einer bereits existierenden Distribution, so dass oftmals vertriebspolitische und monetäre Kriterien über das Schicksal eines Weines entscheiden. Qualität hin oder her.

Daher findet die geplante Reise auch ganz bewusst losgelöst von irgendwelchen Verbandsstrukturen in den jeweiligen Weinregionen statt. Denn auch dort heißt die Devise, „wer am meisten Geld auf den Tisch, legt wird am intensivsten gefördert“. Dabei bleibt das Entscheidende, nämlich der Wein, leider auf der Strecke. Daher verlasse ich mich auf Tippgeber vor Ort und bin durch die Kooperation mit einem Handelspartner auch in der Lage, Weine nach Deutschland zu holen, die hier noch gar nicht im Handel erhältlich sind.

Sie selbst haben eine Schwäche für Rotweine mit klarer Struktur und dem rechten Maß an Tannin. Welchem Wein verdanken Sie eigentlich das Schlüsselerlebnis für diese Vorliebe?

Treppenhauer: Das kam erst ein paar Jahre, nachdem ich anfing Wein zu trinken. Zunächst war Wein mein Bier-Ersatz, da ich Bier nicht mochte. Aber der erste Wein, der mich sozusagen auch intellektuell ansprach, war ein 1997er Ribera del Duero. Nämlich der „Cillar de Silos Crianza“. Aus heutiger Sicht gar nichts wahnsinnig besonderes, doch hatte ich vorher nur Wein „nebenbei“ getrunken und dieser Tempranillo löste das erste Mal echte Faszination für Wein bei mir aus.

Nun sind Sie uns aber noch die Erklärung des "Weinlakai" schuldig. Wie ist es zu dem Namen gekommen?

Treppenhauer: Nun, ich suchte einen griffigen Namen für meinen Blog. Und da ich meinen Lesern mit guten Tipps diene und mich dabei persönlich immer um Zurückhaltung bemühe, kam mir die Idee mit dem „Lakaien“.



Linktipp
Der Blog des Weinlakai

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