Eine Dienstreise der besonderen Art oder die Lust, mal kein Weinjournalist zu sein

"Nun, ich kenne den renommierten Önologen Xavier Vignon schon recht lang und bin ein Fan seiner Weine. So entstand die Idee, mit ihm vor Ort einen ganz besonderen Wein für meine Leser zu verschneiden."

Vor fünf Monaten sprachen wir mit Weinlakai Tobias Treppenhauer über seine geplante "Dienstreise" an die südliche Rhône. Nun haben wir uns nach den gefundenen Weinen erkundigt und uns direkt eine Empfehlung in eigener Sache abgeholt: einen Châteauneuf-du-Pape.

Beim unserem letzten Treffen hat der Weinlakai gerade die "Dienstreise" an die südliche Rhône vorbereitet. Wie war es denn?


Weinlakai: Großartig! Insbesondere das hohe Qualitätsniveau der verkosteten Weine hat mich positiv überrascht. Ich hatte während der Woche keinen einzigen Wein im Glas, den ich als „schlecht“ hätte titulieren können. Und wir sprechen von einem Preisniveau von um die 10 Euro pro Flasche. Der Besuch im Supermarkt oder selbst beim  Weinhändler „um die Ecke“ wäre zwar weniger aufwändig gewesen, hätte aber nicht annähernd dieses Ergebnis erzielt.


Die Lust, Wein zu trinken und zu schmecken darf man wohl professionell unterstellen. Aber auf der "Dienstreise" hat der Weinlakai auch eine eigene Châteauneuf-du-Pape Cuvée kreiert. Wie ist es dazu gekommen?


Weinlakai: Nun, ich kenne den renommierten Önologen Xavier Vignon schon recht lang und bin ein Fan seiner Weine. So entstand die Idee, mit ihm vor Ort einen ganz besonderen Wein für meine Leser zu verschneiden. Und natürlich auch ein bisschen für mich (lacht). Dass Xavier mit mir direkt einen hochwertigen Châteauneuf verschnitten hat, stellte für mich – als Liebhaber dieser Weine – eine ganz besondere Erfahrung und Ehre dar.


Wie haben wir uns das vorzustellen? Mit welchen Grundweinen arbeitet man? Wir bitten um ein genaues Protokoll!

Weinlakai: Ein Châteauneuf-du-Pape (CDP) besteht in den meisten Fällen nicht nur aus einer Rebsorte. Es sind insgesamt 13 Rebsorten zugelassen, wobei in den meisten CDP Grenache den höchsten Anteil einnimmt. Gefolgt von Mourvèdre und Syrah. Allein deshalb hat man es nicht nur mit einem Grundwein zu tun. Außerdem bedeutet die Verwendung von Grenache nicht, dass nur ein Grenache-Grundwein zum Einsatz kommt. Ein Verschneiden oder Blending ist demnach selbst bei einem reinsortigen Wein gängige Praxis. 



In meinem Fall standen über 20 Grundweine zur Auswahl. Darunter waren unterschiedliche Rebsorten zu finden, aber vor allem ganz konträre Stilistiken. Der eine brachte eine spezielle Fruchtaromatik, wie schwarze Johannisbeere, der andere ein strammes Tanningerüst und der nächste eine leichte Vanillenote, da er in neuem Holz ausgebaut wurde. Der ganze Prozess des Blendings erfolgte bei mir ohne zu wissen, mit welchen Grundweinen ich es zu tun hatte. Ich verließ mich vollständig auf meine Intuition und meine Sensorik. Ich wusste beispielsweise sofort, welchen Grundwein ich als dominierendes Element in dem Wein schmecken möchte. Andere wollte ich nur dezent integrieren und wiederum andere passten für mich gar nicht. Entstanden ist ein Wein, der von seiner Stilistik und Rebsortenzusammenstellung durchaus als klassischer Châteauneuf-du-Pape zu bezeichnen ist.


Kann man den eigenen Wein eigentlich noch objektiv beurteilen oder wird der Weinjournalist in diesem Fall durch das Weinmachen nicht narzistisch geblendet?

Weinlakai: Im Prozess selbst war ich wie in Trance und fest davon überzeugt einen „Lauf“ zu haben. Vom Endergebnis war ich mehr als überzeugt und auch das Nachverkosten einige Wochen nach meiner Rückkehr hat mich bestätigt. Der Wein repräsentiert natürlich in extremem Maße meinen persönlichen Weingeschmack. Doch auch die Weine, die ich seit über sieben Jahren meinen Lesern vorstelle, repräsentieren diesen Geschmack. So lässt sich sowieso nur sehr begrenzt von Objektivität sprechen. Und über meinen Narziss mache ich mir keine so große Gedanken. Die sicher gering ausfallende Kritik am „Le Laquais“ wird er verkraften können (lacht wieder).


Jetzt aber wirklich persönlich. Der Adlatus hat uns verraten, dass du anschließend einen entrückten Gesichtsausdruck gehabt hättest. Ist da etwa ein Traum in Erfüllung gegangen?

Weinlakai: Ja, definitiv. Ich horte schon seit Jahren Châteauneuf-du-Pape in meinem Keller, weil ich die Stilistik vieler dieser Weine liebe. Nun bei der Entstehung eines solchen Weines teilhaben zu können, war im wahrsten Sinne des Wortes „a dream comes true“.


Zurück zum "Le Laquais" - du hast zu unserem Treffen keinen mitgebracht. Wann kommen wir in das Vergnügen? Und was erwartet uns?

Weinlakai: Der Wein ist erst Mitte September lieferbar. Für den "Laquais" kamen hauptsächlich Wein des Jahrgangs 2011 zum Einsatz und er besteht aus 55 Prozent Grenache, 25 Prozent Syrah und 10 Prozent Mourvèdre. Die restlichen 10 Prozent setzen sich aus den Rebsorten Counoise, Terret Vaccarese und Muscardin zusammen. Für mich ist der Wein wirklich „groß“, aber da spricht vielleicht wieder der Narziss aus mir. Ich empfehle, einfach eine Testflasche zu ordern und den Wein in einem besonderen Moment zu probieren. Ach ja, und noch mehr Details zu dem Wein selbst findet man im Blog.


Die nächste Dienstreise führt uns dann wohin?

Weinlakai: Nach Nordspanien, genauer gesagt in die Anbaugebiete Bierzo, Ribeira Sacra, Valdeorras und die Weißwein-Hochburg Rías Baixas. Ich liebe insbesondere die dort am häufigsten angebaute Rotwein-Rebsorte „Mencía“. Hier entstehen aber auch hervorragende Weißweine. Das besonders tolle an der Gegend ist, dass sie international noch nicht sehr bekannt ist und sich somit das Preisniveau auf einem moderaten Level befindet. Die Winzer in den Gebieten sind unwahrscheinlich aktiv und ambitioniert. So entstehen dort hervorragende Weine, die durchaus bezahlbar sind. Ich habe meinen Lesern in den vergangenen Jahren bereits einige tolle Mencía empfohlen und so war für mich klar, dass ich besser früher als später in diese Gegend reisen möchte.


Jetzt mach uns doch noch mal den Weinlakai! Welchen Wein trinkst du gerade zu recht und mit Vergnügen?

Weinlakai: Zugegebenermaßen hängen ich noch sehr an den Weinen aus meiner ersten Dienstreise an die Côtes-du-Rhône. Der Rosé der Domaine La Manarine ist bei warmen Temperaturen einfach ein Gedicht. Zudem habe ich einen neuen Lieblingswein von der Reise zurückgebracht: Der Cotes-du-Rhône Villages von Lou Dévet ist einfach wunderbar! Und dieses mal lässt sich über Geschmack nicht streiten: Eine Umfrage unter meinen Lesern hat ihn auch als deren Favoriten bestätigt. 


Das hört sich gut an. Willst du nicht öfter mal was über Wein in "Auf ein Glas" berichten?

Weinlakai: Gern. Jederzeit. Vielleicht möchte jemand von "Auf ein Glas" ja aber auch mit auf Dienstreise?


Linktipp

Der Blog des Weinlakai
Die Dienstreise #1 an die Côtes-du-Rhône

"Nun, ich kenne den renommierten Önologen Xavier Vignon schon recht lang und bin ein Fan seiner Weine. So entstand die Idee, mit ihm vor Ort einen ganz besonderen Wein für meine Leser zu verschneiden."